Kleines ABC der Bauchbeschwerden

Diese Liste ist eine persönliche Zusammenfassung meiner Erfahrungen und meiner Ansichten zu häufigen Beschwerden, die mir im Alltag mit Patienten begegnen.

Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und die Informationen auf dieser Seite ersetzen kein Arztgespräch, sondern sollen eine Orientierung geben.

A wie Aufstoßen

Alle Luft, die wir aufstoßen, haben wir vorher in den Magen geschluckt oder mit der Nahrung aufgenommen. Aufstoßen entlastet den Verdauungstrakt und ist nicht als krankhaft anzusehen.

Um weniger aufzustoßen meiden Sie kohlensäurehaltige Getränke und essen Sie langsam, aufrecht und ruhig. Kauen Sie gut und schlucken Sie bewusst.
Gerade in Stresssituationen neigen wir dazu, mehr Luft zu schlucken, die dann durch Aufstoßen wieder hochkommt.

Ein Einfluss hat auch die Muskelkraft unseres Verschlusses zwischen Magen und Speiseröhre. Diese Funktion lässt mit steigendem Alter oft nach.

Weiterhin hat ein großer Druck auf den Bauch einen negativen Einfluss auf die Dichtigkeit unseres Magen-Speiseröhren Verschlusses. (Bücken nach dem Essen, Übergewicht, Blähungen)

B wie Blähungen

Eine gewisse Menge an Blähungen sind normal. Einfluss haben die Art der Ernährung und die Bakterien, die in uns wohnen. Bis zu 20 Pupse am Tag sind normal.

Zucker und Getreidekonsum führen in der Regel zu mehr Blähungen als eine Ernährung mit Reis und Kartoffeln.
Wenn Sie an Blähungen leiden, notieren Sie sich täglich, was Sie gegessen haben und wann die stärksten Beschwerden auftreten. Kauen Sie gut, meiden Sie blähende Speisen, bewegen Sie sich nach dem Essen. Kümmel und Pfefferminz entspannen den Darm. Auch Süßholz und Melisse helfen bei Blähungen.

Ein Mangel an Magensäure kann zu Blähungen führen, durch unzureichend verdaute Nahrung oder vermehrte Bakterien im Dünndarm. Ein wenig säuerliches Obst vor der Mahlzeit kann die Magensäurebildung fördern.

C wie chronische Gastritis

Chronische Gastritis haben sehr viele Menschen. Es gibt drei Hauptursachen:

  1. Helicobacter pylori-Infektion, die meist bereits in der Kindheit familiär übertragen werden und in Europa bei ca. jedem dritten Menschen vorliegen, siehe unter H
      
  2. Regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac, die sich ungünstig auf den Magen auswirken.
      
  3. chronischer Stress (am häufigsten)
    Vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen, die auf alle Organe des Körpers wirken und im Magen zu einer verminderten schützenden Schleimschicht führt, zu einer verminderten Durchblutung des Magens, sowie einer ansteigenden Säureproduktion, was in Kombination zu einer Magenschleimhautreizung führt.
D wie Divertikel

Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand, die in den meisten Fällen harmlos sind und bei sehr vielen Menschen mit steigendem Alter, Bindegewebsschwäche und durch hohen Druck im Darm entstehen. In seltenen Fällen können diese sich entzünden und machen Beschwerden im linken Unterbauch.
Als Prophylaxe oder bei bestehenden, nicht entzündeten Divertikeln empfiehlt sich die Einnahme einer ballaststoffreichen Kost mit: Samen, Körnern, Obst, Gemüse, Vollkornpräparaten

Die früher gängige Meinung, dass sich Körner in den Divertikeln verklemmen können und zu Entzündungen führen, ist falsch und inzwischen widerlegt.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Je mehr Körner sie essen, desto weniger wahrscheinlich ist eine Entzündung ihrer Divertikel.

E wie Ernährungstagebuch

Ein Ernährungstagebuch sollten Sie immer dann führen, wenn Sie Ihre Beschwerden nicht sofort einem äußeren Einfluss wie einem Nahrungsmittel oder bestimmten Umständen zuordnen können. Manche Beschwerden entstehen auch mehrere Stunden nach einer Mahlzeit, sodass Sie aufzeichnen sollten, was sie in den vergangenen zwölf Stunden gegessen haben.

F wie FODMAP

Die FODMAP-Liste enthält Nahrungsmittel, auf die klassischerweise viele Menschen weltweit mit Bauchbeschwerden reagieren. In Studien konnte gezeigt werden, dass bis zu 70% der Menschen, die an einem Reizdarm leiden, durch Rückgriff auf die FODMAP-Liste zu einer Beschwerdelinderung kommen.

Die FODMAP-Liste gibt Ihnen eine Idee, welche Nahrungsmittel Ihnen Beschwerden machen könnten und sollte nicht dauerhaft zum Verzicht all der gelisteten Nahrungsmittel führen, sondern Ihnen helfen, Ihre individuellen Nahrungstrigger zu identifizieren.

G wie Gluten

Eine echte Glutenunverträglichkeit ist eine Autoimmunerkrankung und wird auch Zöliakie oder Sprue genannt. Circa 1% der Bevölkerung sind betroffen. Die Diagnose stellt man meist mit einer Blutuntersuchung und Proben im Dünndarm. Betroffene müssen lebenslang alle Nahrungsmittel, die Gluten enthalten, streng meiden.

Darüber hinaus haben etwa 10-fach mehr Menschen eine Weizenunverträglichkeit, die mit Bauchbeschwerden, Blähungen und Allgemeinbeschwerden einhergehen kann und die sich nicht durch den Glutenbestandteil des Weizens zeigt, sondern durch andere Weizenbestandteile zustande kommt. Diesen Menschen reicht oft eine deutliche Reduktion des Weizenkonsums zur Linderung der Beschwerden.

H wie Helicobacter pylori

Helicobacter pylori sind kleine Bakterien, die im Magen wohnen und die jeder Dritte in Europa hat. Übertragung meistens in der Kindheit von engen Familienmitgliedern.
Durch eine zehntägige spezielle Antibiotikatherapie kann Helicobacter pylori eradiziert – geheilt werden. Eine Neuinfektion im Erwachsenenalter kommt so gut wie nicht vor.
Betroffene sind häufig beschwerdefrei oder entwickeln eine chronische Gastritis.

Eine Helicobacter pylori Infektion sollte auch bei Beschwerdefreiheit behandelt werden, denn eine langfristige Besiedelung kann zu einem erhöhten Magenkrebsrisiko führen.

I wie Inkontinenz

Stuhlinkontinenz tritt mit steigendem Alter häufiger auf, besonders bei Frauen, die durch die Geburt und Schwangerschaft eine Belastung des Beckenbodens erfahren haben.
Zur Linderung der Beschwerden empfiehlt sich regelmäßig (am besten täglich einige Minuten) Beckenbodengymnastik und z. B. eine Therapie mit Flohsamenschalen, um den Stuhl anzudicken, oder an Tagen mit besonderer Aktivität die Einnahme von Loperamid aus der Apotheke.

J wie Juckreiz

Juckreiz anal kann bei Hämorrhoiden auftreten, ein von Schleimhaut überzogenes Gefäßpolster am Darmausgang, was aus dem Analkanal herausfallen kann und dann zu Juckreiz führt.

Wenn Sie dies untersuchen lassen wollen, stellen Sie sich bitte bei einem Proktologen vor. Wir arbeiten nicht proktologisch.  

Juckreiz tritt auch im Rahmen einer Madenwurminfektion auf (Oxyuriasis). Diese Infektion ist häufig, gerade wenn man Kinder im Kindergarten- oder Schulalter hat, ist fast jede Familie mindestens einmal im Leben davon betroffen. Diese Erkrankung wird medikamentös behandelt. Bitte sprechen diesbezüglich mit Ihrem Hausarzt oder Kinderarzt.

K wie Krebs

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung. Darmkrebs geht immer aus gutartigen, kleinen Vorstufen hervor, die über Jahre und Jahrzehnte unbemerkt zu Darmkrebs heranwachsen. Deswegen ist eine Darmspiegelung mit Erkennung und Entfernung der kleinen, gutartigen Vorstufen unerlässlich, um eine Darmkrebserkrankung zu verhindern.
Jeder Mensch ab 50 Jahren sollte unbedingt zur Darmkrebs Vorsorge gehen!

L wie leichte Kost

Als leichte Kost wird etwas verstanden, was leicht bekömmlich ist, der Körper somit einfach aufnehmen kann, ohne viel Energie zu investieren.
Darunter versteht sich z.B. Weißbrot, Gekochtes, Kartoffelbrei, Suppen, Reis

Salat und Rohkost sind nicht leicht bekömmlich, im Gegenteil: es ist besonders aufwändig für den Körper hier Kalorien rauszuziehen.

Im Vergleich zu rohen Lebensmitteln spart der Körper etwa 60% der Energie für die Verdauung ein, wenn die Mahlzeit gekocht ist. Wenn Sie Bauchschmerzen haben, Magenschmerzen, Durchfall oder sich generell unwohl fühlen, sollten Sie Gekochtes und leicht Verdauliches essen.

M wie Magenbeschwerden

Chronische Magenbeschwerden entstehen häufig als Ausdruck einer psychosomatischen Belastung.

Anspannung, Stress, Perfektionismus, wenig Pausen, wenig entspannte Unproduktivität (= Nichts Tun) führen bei vielen Leuten zu chronischen Oberbauchbeschwerden, für die es bei Untersuchungen im Ultraschall, in der Magenspiegelung, in Laboruntersuchungen keine ersichtliche Ursache gibt. Auch Alkohol, Nikotin, Schmerzmedikamente wie Ibuprofen oder Aspirin führen zu einer Reizung des Magens.
Meiner Erfahrungen nach haben Emotionen, z.B. Phasen der Unsicherheit im Leben, bei anstehenden Veränderungen oder die Sorge um Familienangehörige oft einen starken Einfluss auf Magenbeschwerden.

N wie Nahrungsmittelallergie

Nahrungsmittelallergien sind verbreitet und betreffen folgende Lebensmittel am häufigsten:
Milchprodukte, Weizen, Ei, Hühnerfleisch, Nüsse, Sellerie, Sesam, Meeresfrüchte (Scampis), Fisch, Soja…

Beschwerden äußern sich oft durch Durchfall, der noch während der Mahlzeit oder kurz danach einsetzt, können aber auch mit allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit, Gelenkbeschwerden, etc. einhergehen.

Ein Ernährungstagebuch hilft hier oft weiter.

O wie Obstipation

Bitte sehen Sie bei Verstopfung.

P wie Polypen

Polypen sind kleine Wucherungen im Dickdarm, die häufig Krebsvorstufen sind und sehr langsam über viele Jahre oder Jahrzehnte an Größe gewinnen und dabei zu Krebs werden können.

Diese Polypen gibt es in unterschiedlicher Ausprägung und werden bei der Darmspiegelung gezielt gesucht und entfernt, um so einem Darmkrebs vorzubeugen.

Q wie Quellmittel

Quellmittel – Ballaststoffe – sind sehr wichtig für die Darmgesundheit und sollten ca. 30 Gramm pro Tag eingenommen werden, z. B. Leinsamen, Flohsamenschalen, Vollkornprodukte, Samen, Nüsse, Obst, Gemüse…

R wie Reizdarm

Ca. 20 % der Deutschen leiden an einem Reizdarmsyndrom. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.

Bestimmte neurologische Besonderheiten führen zu einer noch häufigeren Ausprägung, zum Beispiel Neurodivergenz, die mit einer erhöhten Wahrnehmung aller Art einhergeht. Betroffene haben in bis zu 50% der Fälle ein Reizdarmsyndrom.

Menschen mit einem Reizdarmsyndrom haben oft über Jahre und Jahrzehnte chronische Bauchbeschwerden, die häufig mehrfach in der Woche auftreten. In den ärztlichen Untersuchungen finden sich keine Auffälligkeiten = makroskopischen Veränderungen.

In Studien sind inzwischen aber zahlreiche mikroskopische Veränderungen bei Betroffenen nachgewiesen, sodass die Erkrankung eine echte organische Erkrankung ist, die auf multimodaler Ebene behandelt werden kann.

S wie Sodbrennen

Refluxbeschwerden oder Sodbrennen sind ein häufig verbreitetes Problem, was ausgelöst wird durch vermehrte Magensäure, vermehrtem Rückfluss von Magensäure oder vermehrter Wahrnehmung von Magensäure, die in die Speiseröhre zurückfließt.

Beeinflusst werden kann Sodbrennen durch eine veränderte Art der Mahlzeit (Leicht und schnell verdaulich, fettarm, gekocht), besonders am Abend und nicht zu nah am zu Bett gehen.

Durch Reduktion von Stress und Anspannung:
Was stößt ihnen sauer auf? Weswegen sind sie sauer? Was fressen sie in sich hinein? Was lässt ihnen die Galle hochkommen? Was liegt Ihnen schwer im Magen? Welche Situation können Sie nicht verdauen?

Linderung bringen kurzfristig Antacida, die Sie rezeptfrei in der Apotheke kaufen können und die Säure sofort physikalisch binden. Auch Heilerde hilft vielen Betroffenen gut.

T wie Toilettengang

Zur Stuhlregulation und Vermeidung von Divertikelbildung sind 1-2 weiche Stuhlgänge am Tag wünschenswert, idealerweise zur gleichen Zeit, am besten morgens nach dem Frühstück.

U wie Unverträglichkeit

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind häufig und können sehr unterschiedlich sein. Am sinnvollsten ist das Führen eines Ernährungstagebuches, um eine Regelmäßigkeit von Beschwerden nach Konsum von bestimmten Nahrungsmitteln zu erkennen.

Oft haben auch Begleitumstände wie Stress, Anspannung, psychologische Belastungen, der Hormonzyklus der Frau, etc…einen Einfluss auf die Beschwerden.

V wie Verstopfung

Verstopfung/Obstipation ist ein häufiges Problem. Von Verstopfung sprechen wir, wenn jemand weniger als alle drei Tage Stuhlgang hat oder der Stuhlgang sehr schwergängig ist. Wichtig ist in dem Fall ausreichend zu trinken, 2 Liter am Tag, und über die Nahrung Ballaststoffe und Quellmittel zu ergänzen.

Hier empfiehlt sich zum Beispiel die Einnahme von Flohsamenschalen, Leinsamen, Chiasamen, Haferkleie und den Konsum von viel Obst und Gemüse.

Ballaststoffe verbleiben im Darm, da sie nicht in den Körper aufgenommen werden können und ziehen Flüssigkeit hinterher, sodass der Stuhl insgesamt weicher und leichtgängiger wird.

Alternativ kann aus der Apotheke der Wirkstoff Macrogol rezeptfrei besorgt werden, der ähnliche Wirkung entfaltet.

W wie Weizenunverträglichkeit

Ca. 10 Prozent der Menschen in Deutschland haben eine Weizenunverträglichkeit.

Beschwerden entstehen oft mit einer gewissen Verzögerung, erst Stunden nach dem Konsum oder gar erst am Folgetag, und halten dann meist über mehrere Tage an. Bauchbeschwerden, Schmerzen, Blähungen und Allgemeinbeschwerden sind häufig.

Ursächlich ist nicht der Glutenbestandteil des Weizens, sondern andere Weizenbestandteile. Diesen Menschen reicht oft eine deutliche Reduktion des Weizenkonsums zur Linderung der Beschwerden. Um einen Erfolg zu beurteilen, sollte für mindestens 10 Tage auf Weizen verzichtet werden, da Beschwerden oft lange nachhängen.

X wie OXyuriasis

Oxyuren sind kleine Madenwürmer, weiß, 1 cm, die oft unbemerkt in unserem Dickdarm wohnen.
Es entsteht ein starker Anal-Juckreiz, wenn die Weibchen (besonders nachts) aus dem Darm kommen, um am Darmausgang ihre Eier abzulegen.
Dies ist eine häufige Erkrankung, die sich besonders unter Kindern verbreitet und gut mit Medikamenten behandelt werden kann. Probleme dieser Art besprechen Sie bitte mit Ihrem Haus- oder Kinderarzt.

Y wie Yoghurt

Im Joghurt befinden sich gesunde Bakterien, die sich positiv auf unsere Darmgesundheit auswirken.

Gute Bakterien finden sich auch in vielen anderen fermentierten Nahrungsmitteln wie Sauerkraut, Kimchi, Kefir, Buttermilch, Miso-Paste, Sojasauce, Sauerteigbrot, Parmesan...

Z wie Zöliakie

Bitte schauen Sie bei G wie Gluten